Social Media haben sich als fester Bestandteil der Netzkultur etabliert und werden bereits seit Längerem auch für Marketingzwecke genutzt. Wie Websites bieten sie im Prinzip die Möglichkeit, Menschen in aller Welt zu erreichen. Allerdings ist die technische Möglichkeit, eine Marketing-Botschaft bis auf die andere Seite des Erdballs zu senden, nur eine Voraussetzung dafür, dass man die Menschen dort auch wirklich erreicht. Darüber hinaus muss die Botschaft nicht nur in die jeweilige Sprache übersetzt, sondern oft auch dem jeweiligen Kulturkreis angepasst sein.

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Nicht nur große Unternehmen nutzen heute die Möglichkeit, sich über das Internet weltweit am Markt zu positionieren. Das Marketing mit Hilfe von Social Media ist auch und gerade für Mittelständler und kleine Unternehmen eine kostengünstige Möglichkeit, sich bekannt zu machen. Allerdings darf man nun nicht denken, dass es dabei damit getan wäre seine Facebook-Beiträge außer in der eigenen Muttersprache mal eben noch auf Englisch zu veröffentlichen.

Der Aspekt der Sprache

sprachenDie Zeiten, da Englisch die Sprache der Netzbürger war, sind – wenn es sie je gegeben haben sollte – schon lange vorbei. Heute sind in aller Welt biedere Normalbürger, Leute von nebenan, im Netz unterwegs, shoppen online, surfen und kommunizieren über Social Media. Leute, die allenfalls über ein wenig Schulenglisch verfügen, jedoch Informationen lieber in ihrer Muttersprache dargeboten bekommen möchten und nur äußerst ungern Geschäfte in englischer Sprache machen. Diese Leute erreicht man in aller Regel nur über ihre jeweilige eigene Sprache. Eine Studie aus jüngerer Zeit zeigt in diesem Zusammenhang, dass am ehesten noch Menschen, die Sprachen mit verhältnismäßig wenig Sprechern sprechen – wie etwa Griechen, Schweden oder Niederländer – bereit sind, sich auch in anderen Sprachen zu informieren.
Das liegt offenbar ganz einfach daran, dass Filme, Bücher und andere Medien umso eher in eine Sprache übersetzt werden, je mehr Leute diese Sprache sprachen, je größer also der Markt für die Übersetzung ist. Franzosen, Deutsche, Italiener und derartige Sprachgruppen sind daran gewöhnt, den neuesten Hollywood-Film, gängige Fernsehserien, Bücher , Computerspiele und natürlich auch Internetseiten in ihrer Sprache zu bekommen. Für Niederländer, Griechen, Schweden und andere kleine Sprachvölker hingegen ist es normal, dass sie mit Untertiteln oder fremdsprachlichen Fassungen von Medien – z.B. englichsprachigen – vorlieb nehmen müssen.

Dabei sollte man auch bedenken: Ein Facebook-Profil etwa auf Schwedisch erstellen und pflegen zu lassen, ist natürlich lange nicht so teuer wie die Synchronisation eines Kinofilms. Andererseits erreicht man damit aber doch eine Menge Leute, die es möglicherweise gerade als angenehm empfinden, dass es doch einmal etwas auch in ihrer Sprache gibt.

Welches Medium?

Facebook und Twitter mögen in Deutschland und noch ein paar anderen Ländern das Maß aller Dinge sein. Geht man jedoch in andere Weltgegenden, kann das ganz anders aussehen: In Ostasien etwa spielt Facebook kaum ein Rolle; hier sind die Plattformen QQ, Mixi und Cyworld angesagt. Die Brasilianer wiederum lieben eine eigene Plattform, die Orkut heißt. Was man ebenfalls wissen sollte: Es gibt auch eine Reihe Plattformen, die sich an ganz spezielle Gruppen wenden. In den USA gibt es zum Beispiel Cafe Mom, eine Plattform für (werdende) Mütter. Die 1,25 Mio Nutzer sind zwar nicht viel im Vergleich zu Facebook, aber man erreicht eine vorsortierte Zielgruppe für eine ganz Reihe von typischen Produkten.

Fettnäpfchen vermeiden!

flaggenBereits wenn man ein Motto oder einen Slogan in eine andere Sprache übersetzt, kann die Botschaft empfindlich leiden. Da ist vor allem bei Sprachen aus anderen Kulturkreisen der Fall, die ganz anders funktionieren als europäische Sprachen. Auch Symbole und Aufhänger, die bei uns etwas bewirken, können in anderen Kulturen völlig daneben sein. Hunde, besonders junge, sind in der westlichen Welt durchaus Sympathieträger und der bewusste kleine Beagle hat sicher Anteil am Renommee einer sehr bekannten Schuhmarke. In islamischen Ländern jedoch gilt unser bester Freund als unrein und ist daher für die Werbung ungeeignet.

Denken Sie auch an die Lebenswelt Ihrer potentiellen Kunden: In unseren Breiten sagt ein Foto eines Geländewagens, der sich durch tiefen Schnee arbeitet, viel über dessen Wert aus. Die gleiche Botschaft ließe sich jedoch in Afrika wesentlich besser mit Wüstensand oder einer schlammigen Dschungelpiste transportieren.

Dass die Sprache in der Aktivitäten auf einer Plattform in einem anderen Land stattfinden, fehlerfrei verwendet wird, sollte selbstverständlich sein. Sie sollte aber auch den aktuellen Sprachgewohnheiten ihrer Sprecher entsprechen. Dazu braucht man einen Kenner des jeweiligen Landes und der Sprache, am besten einen Muttersprachler mit regem Kontakt in seine Heimat, der weiß, was dort grundsätzlich üblich und was im Augenblick angesagt ist. Das kostet zwar Geld, erhöht jedoch die Chancen Ihrer Social-Media-Marketing-Bemühungen ganz erheblich.

Sie werden also durchaus den einen oder anderen Euro in die Hand nehmen müssen, wenn Sie sinnvolle Social-Media-Kampagnen in fremden Ländern fahren wollen, auch wenn die Nutzung der Plattformen kostenlos ist. Man sollte also hier auf keinen Fall am falschen Ende sparen, zumal die Kosten für einen muttersprachlichen Texter pro Land allemal ungleich geringer sind als die für konventionelle Kampagnen mit Inseraten, Plakatwänden, Fernsehwerbung etc. – oder gar eine Filliale vor Ort – und auch von kleinen Unternehmen geschultert werden können.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einer Übersetzungsfirma, das professionelle Übersetzungen anbietet. Folge Christian auf Twitter unter @l24de.

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